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kritische Rohstoffe

Die EU und Elektromobilität: Ein nicht zu Ende gedachtes Drama

**Image protected by ISE AG – Lucerne**

Europas Unentschlossenheit bei der Elektromobilität bringt der Autoindustrie keinen Wettbewerbsvorteil. Entscheidend ist der Zugang zu Rohstoffen, an denen auch die Energiewende hängt. Die Kontrolle über sie liegt nach wie vor in weiter Ferne: in China.

Globaler Vorreiter bei der Elektromobilität ist ausgerechnet ein Land, das vom Öl- und Gasgeschäft lebt: Norwegen. Doch das ist nicht die einzige Kuriosität in Sachen Autopolitik. 2023 beschloss die EU de facto das Aus für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035, um nach nur 19 Monaten einen Salto rückwärts zu springen. Auf Druck der Autoindustriegemeinsam mit Deutschland, Italien und den osteuropäischen Mitgliedsländern.

Das ist insofern kurios, weil das Festhalten am Verbrennungsmotor bei Herstellern zu höheren Kosten führt, wenn Verbrenner- und Elektro-Plattformen parallel betrieben werden müssen.Nach einem Wettbewerbsvorteil gegenüber chinesischen Mitbewerbern klingt das nicht. Die politische Kehrtwende ist außerdem das Gegenteil einer für Industrie und Investoren so wichtigen klaren Politik, die für Planungssicherheit sorgt. Für die Autoindustrie, die in langen Zyklen von bis zu 15 Jahren plant, gilt das ganz besonders. 

Es stellt sich aber noch eine ganz andere, grundsätzliche Frage: ist ein hundertprozentiger Umstieg auf Elektromobilität überhaupt möglich? Theoretisch ja, laut Künstlicher Intelligenz. Doch in der Praxis fällt die Antwort derzeit eher negativ aus, betrachtet man die Versorgung mit den dafür notwendigen Rohstoffen und mit sauberem Strom.

Zahnlose Rohstoffpolitik der EU

Anfang Februar veröffentlichte der Europäische Rechnungshof einen Bericht, in dem er die EU-Rohstoffpolitik unter die Lupe nahm. 2023 verabschiedete die EU ein Gesetz über kritische Rohstoffe, in dem allerlei Massnahmen festgelegt sind, mit dem Ziel, die übergroße Abhängigkeit von China und wenigen anderen Ländern bei Rohstoffen wie Lithium, Kobalt, Nickel oder Seltenen Erden zu überwinden. Zahn- und planlos lautete das vernichtende Urteil der Rechnungshofprüfer über Europas Rohstoffstrategie.

Die Weltbank prognostiziert, dass sich durch die grüne Wende der Bedarf an Rohstoffen bis 2050 verfünffachen wird. Ausgehend von 2020 rechnet die EU-Kommission, dass der Bedarf etwa an Lithium bis 2030 um das 18-Fache und der von Kobalt um das Fünffache ansteigen wird. Drei Viertel des Rohstoffbedarfs wird von den EU-Ländern jedoch importiert. 

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Hohe Verluste wegen Mangel an Seltenen Erden  

Trotzdem haben es die Regierungen versäumt, ihre vollmundigen Ankündigungen bei den Klimazielen auch materiell abzusichern. Wenn China will, dann würgt es einfach die europäische Industrie ab. Und es will, wie die Exportbeschränkungen auf Seltene Erden(Permanentmagneten), Galliumund Germanium (Computerchips) in den vergangenen zwei Jahren gezeigt haben. 

Thomas Krümmer, Experte für Seltene Erden und Autor des „Rare Earths Observer“ schätzt die direkten und indirekten wirtschaftlichen Einbußen durch Chinas Restriktionen bei Seltenen Erden auf mindestens zehn Prozent der globalen Wirtschaftskraft. All das ist eigentlich schon seit 2010 bekannt, als China zum ersten Mal die Daumenschrauben anzog und die erste Seltenerdkrise auslöste — was übrigens zur Gründung des Instituts für Seltene Erden geführt hat. 

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Bis zu 240 Terrawattstunden mehr Strom nötig

Und wie sieht es bei der Versorgung mit sauberen Strom aus? 2024 waren 260 Millionen Autos auf den Straßen in der EU unterwegs. Davon sind nur drei Prozent rein elektrisch betrieben, was acht Millionen entspricht. Sie verbrauchen rund 16 Terawattstunden (TWh) Strom im Jahr. Der gesamte Stromverbrauch der EU-27 lag bei 2732 TWh. Etwa 1000 TWh oder 40 Prozent des Stroms kamen dabei aus erneuerbaren Energiequellen.

Eine Studie des Fraunhofer ISI und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sagen bis 2040 einen Anstieg des Anteils von E-Autos auf 30 Prozent voraus, was einem zusätzlichen Strombedarf von ungefähr 240 TWh entsprechen würde. Um diesen zusätzlichen Strom mit sauberen Energien zu erzeugen, müssen etwa 120 bis 160 Gigawatt (GW) an neuer Wind- und Solarkapazität installiert werden.

Allerdings wird nicht nur der Verkehr elektrifiziert, sondern auch energieintensive Industrien, Heizsysteme für Wohnraum (Wärmepumpen) und nicht zuletzt sorgen Datenzentren für eine massive Erhöhung des Strombedarfs, der sich also insgesamt um 30 bis 50 Prozent erhöhen könnte. Das wären dann bereits 800 bis 1350 TWh mehr als heute. Um diesen zusätzlichen Strombedarf mit Erneuerbaren zu decken, müssten in den kommenden 15 Jahren 470 bis 790 GW an erneuerbaren Stromkapazitäten installiert werden.

Nadelöhr Netzausbau

2025 wurden in der EU laut ersten Schätzungen 85 GW an neuen Wind- und Solarkapazität zugebaut. Setzt sich der Ausbau in diesem Rhythmus fort, könnte die EU ihre Ziele realistisch erreichen. 

Aber Solarpaneele und Windräder sind nicht die einzige Bedingung für die grüne Energiewende. Der Ausbau der Netzinfrastruktur, von Speicherkapazitäten und die Implementierung intelligenter Steuerungssysteme sind weitere wichtige Pfeiler, damit der erzeugte grüne Strom dort ankommt, wo er gebraucht wird und um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auch der Ausbau grenzüberschreitender Kapazitäten spielt eine wichtige Rolle. Der massive Blackout in Spanien, Vorreiterland bei der erneuerbaren Stromerzeugung, veranschaulicht aber auch, welche schwerwiegenden Folgen ein schleppender Ausbau der heimischen und grenzüberschreitenden Netzinfrastruktur haben kann.

Mehr Rohstoffbedarf für Strominfrastruktur

Die benötigten Investitionen in die Stromnetze in der EU belaufen sich bis 2040 auf 1,1 Billionen Euro, was jährlich 74 Milliarden Euro entspricht. Das wiederum bedeutet ins Stoffliche übersetzt viele Tonnen Stahl und tausende Kilometer an Kupferkabeln. Für den massiven Ausbau mit Windrädern und Solarpanelen sind massive Mengen an kritischen Rohstoffen wie Seltene Erden, Silizium, Indium oder Selennötig und für Batteriespeicher Lithium, Graphit, Kobaltund Nickel.

Hier schließt sich wieder der Kreis und wir landen beim Thema Rohstoffabhängigkeit der EU und  dem vernichtenden Rechnungshofurteil: „Keine solide Strategie“. Es bleibt also offen, wie die EU neben der Verkehrswende auch die Energiewende schaffen will, wenn sie die dafür benötigten Rohstoffe nicht sichern kann. Vielleicht steht hinter dem Schlingerkurs beim Verbrenner-Aus, die leise Vermutung der Politik, dass die EU den Abstand im Wettlauf um kritische Mineralien wohl nicht mehr aufholen wird können.

Februar 2026 – Arndt Uhlendorff für 

Februar 2026 – Arndt Uhlendorff für 

Institut für seltene Erden und Metalle AG

Institut für seltene Erden und Metalle AG

Metal prices as an indicator of political change worldwide

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Arndt Uhlendorff, CEO of the Institute for Rare Earths and Metals AG, explains why it is so important to track and analyse the fluctuations in metal prices

 

BY OBSERVING fluctuations in metal prices and understanding patterns established over decades and centuries, we can gain insights into global events, anticipate future developments, and make informed decisions – whether to buy, sell, and at what price.

Metal prices are highly volatile during times of anticipated or ongoing military conflicts. These fluctuations result from a combination of economic, geopolitical, and psychological factors.

Gold plays a pivotal role during periods of economic instability or geopolitical tension. Nations often increase their gold reserves because it serves as a ‘safe haven’ asset. Gold is not tied to financial systems (e.g., SWIFT), enabling countries to bypass international sanctions. During wars or major conflicts, gold can be used to pay for imported weapons, food, and other essential goods.

During world wars, many countries expanded their gold reserves, understanding that their currencies might 

lose value. For example, Germany and the United States heavily relied on gold during the First and Second World Wars to purchase resources.

In recent years, nations like Russia, China, and India have significantly increased their gold reserves. This move is linked to diversifying reserves and preparing for potential economic upheavals.

During global crises such as the COVID-19 pandemic or escalating geopolitical tensions, gold prices reached record highs, reaffirming its status as a ‘safe harbour.’ Monitoring gold prices can thus be a key to predicting geopolitical shifts and the prices of other metals and metal products.

For example, sanctions imposed on Russia in 2022 after the outbreak of the war with Ukraine led to a sharp increase in palladium and nickel prices, as Russia is one of the largest producers of these metals.

 

Nickel Cathode

Gold wire price 

The rise in gold wire prices as an example of a reaction to the launch and active development of artificial intelligence (AI) technologies

The sharp rise in the price of gold wire in 2023 illustrates how technological innovations, such as the development of artificial intelligence (AI) technologies, can drive demand for specific metal products used in microelectronics and semiconductors.

Gold wire prices remained relatively stable at around €300 per 10cm until 2023, but the large-scale production of chips and high-performance computing systems that use gold (e.g., in conductors and microcircuits) caused a significant price surge, stabilising at around €400 per 10cm.

The rise in gold wire prices due to AI technology development 
Another recent example of political actions impacting the global market is the sharp rise in prices for gallium, germanium, and antimony in the summer of last year. This coincided with China’s announcement of restrictions on the export of rare metals like gallium and germanium, essential for US microelectronics production. These restrictions were a response to US actions aimed at curbing China’s microelectronics industry.

The US ban on transferring cutting-edge technologies and next-generation microchips to China set the country back several years in AI development, including military AI technologies. With China controlling over 80% of global germanium production and US government gallium reserves running low, these measures had farreaching consequences.

Following stricter restrictions, China nearly ceased exporting gallium and germanium to the US, causing a sharp price increase: gallium prices rose by 80%, and germanium prices doubled. According to estimates by the U.S. Geological Survey, a total export ban on these materials could cost the US economy $3.4bn. While Washington is seeking to diversify supply chains, a quick resolution seems unlikely. 

The impact of Chinese government restrictions on antimony exports 

In addition to gallium and germanium, China banned the export of antimony-containing products to the US in 2024. China accounts for half of the world’s antimony production, widely used in the military industry for ammunition and nuclear weapons manufacturing. 

Germanium

 

Previously, antimony extraction was considered unprofitable, but by November 2024, the Rotterdam price for antimony reached $39,000 per ton, over three times its price at the start of the year. Canadian company Spearmint Resources announced plans to resume antimony mining in New Brunswick, signalling the potential exploration and development of new antimony deposits globally.

The role of rare earth and minor metals in the global green economy 

The global shift towards a ‘green’ economy has been a key factor driving up the prices of rare earth and minor metals. Countries aim to reduce carbon emissions and adopt renewable energy sources, significantly increasing demand for metals needed to produce solar panels, wind turbines, and batteries. Additionally, the rapid development of electric vehicles (EVs) requires large quantities of lithium, cobalt, nickel, and other rare earth elements for batteries and electric motors. Limited supplies, concentrated in a few countries like China, and the high costs of environmentally safe extraction have further pushed up prices. Moreover, these materials’ critical role in future technologies has spurred speculative market growth. As a result, the costs of rare and minor metals, central to the ‘green’ economy, have risen globally. 

Niche markets and pricing for rare commodities Beyond metals widely traded on exchanges, some rare minerals are difficult to price due to infrequent transactions, unique characteristics, and the lack of a standard market. For instance, osmium, especially its isotope osmium-187, is one of the rarest and most unique commodities in the global metal market. Kazakhstan is the primary exporter of osmium-187, making it extremely scarce.

Due to its rarity and specific mining requirements, osmium-187 is not traded on exchanges, and its market price is determined by laboratory assessments of quality, purity, and uniqueness, as well as previous transaction data. This pricing structure highlights the strategic importance of osmium-187 for high-tech and scientific applications, where it remains irreplaceable. 

Antimony

Metall prices 2025

ISE’s metal price database 

For over ten years, ISE has maintained its proprietary metal price database, which includes over 19,500 items. This database is built from diverse sources, including insider information about non-exchange-traded metals. Users of the monitoring system include individual clients, major electrical equipment manufacturers, international auditing firms, governmental institutions, and global research universities. Access to the system is available via the ISE AG website on an annual subscription basis, with a 24-hour trial period. Data is updated daily and can be exported in CSV format.

Monitoring metal prices helps identify key drivers of technological progress and their impact on the global economy, as well as anticipate economic changes. This makes it a crucial tool for businesses, policymakers, and researchers alike.

About the Institute for Rare Earth Elements and Metals 
The Institute for Rare Earth Elements and Metals AG (ISE AG), established in 2008, is a leading company specialising in high-precision metallurgical analysis and metal storage. Headquartered in Switzerland, the company operates offices in six countries and maintains a global network of 80 employees.   

ISE AG focuses on analysing precious and rare earth metals, as well as high-purity industrial products. The company offers highly secure storage facilities in modern warehouses spanning over 8,000m² in Switzerland, ensuring strict inspection and documentation protocols to preserve material integrity.

In its laboratories, ISE AG employs advanced technologies such as GD-MS, ICP-MS, and XRF to perform detailed analyses of a wide range of metals in compliance with ISO standards. Additionally, the company provides metal valuation services, offering reports and audits aligned with IFRS13 standards, and grants online access to real-time prices of over 19,500 metals and their products, enabling informed decisionmaking in a dynamic market environment. ISE AG is also actively involved in research, particularly in the field of metal recycling, collaborating with international universities to develop sustainable methods for recovering critical rare earth elements and minor metals. 

Combining cutting-edge technology with a commitment to quality and sustainable resource use, ISE AG is a trusted partner in the metallurgical industry.

 

 

Metallpreise als Indikator für politische Veränderungen weltweit

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Arndt Uhlendorff, CEO der Institute for Rare Earths and Metals AG, erklärt, warum es so wichtig ist, die Schwankungen der Metallpreise zu verfolgen und zu analysieren.

Durch die Beobachtung von Schwankungen der Metallpreise und das Verständnis von Mustern, die sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg etabliert haben, können wir Einblicke in globale Ereignisse gewinnen, zukünftige Entwicklungen abschätzen und fundierte Entscheidungen treffen – ob man kaufen, verkaufen oder den richtigen Preis bestimmen sollte.

Metallpreise sind in Zeiten erwarteter oder anhaltender militärischer Konflikte äußerst volatil. Diese Schwankungen resultieren aus einer Kombination wirtschaftlicher, geopolitischer und psychologischer Faktoren.

Gold spielt in Phasen wirtschaftlicher Instabilität oder geopolitischer Spannungen eine entscheidende Rolle. Staaten erhöhen oft ihre Goldreserven, da es als „sicherer Hafen“ gilt. Gold ist nicht an Finanzsysteme wie SWIFT gebunden, was Ländern ermöglicht, internationale Sanktionen zu umgehen. In Kriegszeiten oder während großer Konflikte kann Gold zum Bezahlen importierter Waffen, Lebensmittel und anderer lebenswichtiger Güter verwendet werden.

Während der Weltkriege erweiterten viele Länder ihre Goldreserven, da sie erkannten, dass ihre Währungen an Wert verlieren könnten. So stützten sich etwa Deutschland und die Vereinigten Staaten während des Ersten und Zweiten Weltkriegs stark auf Gold, um Rohstoffe zu erwerben.

In den letzten Jahren haben Länder wie Russland, China und Indien ihre Goldreserven deutlich ausgebaut. Dieser Schritt steht im Zusammenhang mit der Diversifizierung ihrer Reserven und der Vorbereitung auf mögliche wirtschaftliche Turbulenzen.

Während globaler Krisen – etwa der COVID-19-Pandemie oder zunehmender geopolitischer Spannungen – erreichten die Goldpreise Rekordhöhen und bestätigten damit erneut den Status des Edelmetalls als „sicherer Hafen“. Die Beobachtung der Goldpreise kann daher ein wichtiger Indikator zur Vorhersage geopolitischer Verschiebungen sowie der Preisentwicklung anderer Metalle und Metallprodukte sein.

Beispielsweise führten die nach dem Ausbruch des Krieges zwischen Russland und der Ukraine im Jahr 2022 verhängten Sanktionen gegen Russland zu einem starken Anstieg der Palladium- und Nickelpreise, da Russland zu den größten Produzenten dieser Metalle gehört.

 

Nickel Cathode

Gold wire price 

DER ANSTIEG DER GOLDDRADPREISE ALS BEISPIEL FÜR EINE REAKTION AUF DIE EINFÜHRUNG UND AKTIVE ENTWICKLUNG VON TECHNOLOGIEN DER KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ (KI)

Der starke Anstieg des Golddrahtpreises im Jahr 2023 zeigt deutlich, wie technologische Innovationen – insbesondere die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) – die Nachfrage nach bestimmten Metallprodukten, die in Mikroelektronik und Halbleitern verwendet werden, antreiben können.

Die Preise für Golddraht blieben bis 2023 mit etwa 300 € pro 10 cm relativ stabil. Doch die großflächige Produktion von Chips und Hochleistungsrechnersystemen, in denen Gold beispielsweise in Leitern und Mikroschaltkreisen zum Einsatz kommt, führte zu einem deutlichen Preisanstieg, der sich schließlich bei rund 400 € pro 10 cm einpendelte.

Der Einfluss der KI-Entwicklung auf die Golddrahtpreise

Ein weiteres Beispiel für politische Maßnahmen, die den Weltmarkt stark beeinflussen, ist der massive Preisanstieg von Gallium, Germanium und Antimon im Sommer des vergangenen Jahres. Dieser fiel zeitlich mit Chinas Ankündigung von Exportbeschränkungen für seltene Metalle wie Gallium und Germanium zusammen – Rohstoffe, die für die US-amerikanische Mikroelektronikproduktion unverzichtbar sind.
Diese Maßnahmen waren eine Reaktion auf US-Sanktionen, die darauf abzielten, Chinas Mikroelektronikindustrie auszubremsen.

Das US-Verbot, Spitzentechnologien und Chips der nächsten Generation nach China zu exportieren, warf Chinas Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz, einschließlich militärischer KI-Anwendungenum mehrere Jahre zurück.
Da China über mehr als 80 % der weltweiten Germaniumproduktion verfügt und die US-Regierung kaum Galliumreserven besitzt, hatten diese Schritte weitreichende wirtschaftliche Folgen.

Nach der Verschärfung der Exportbeschränkungen stellte China den Export von Gallium und Germanium in die USA nahezu vollständig ein, was zu einem drastischen Preisanstieg führte:

  • Galliumpreise stiegen um 80 %,
  • Germaniumpreise verdoppelten sich.

Nach Schätzungen des U.S. Geological Survey könnte ein vollständiges Exportverbot dieser Materialien die US-Wirtschaft bis zu 3,4 Milliarden US-Dollar kosten. Während Washington versucht, seine Lieferketten zu diversifizieren, ist eine schnelle Lösung nicht in Sicht.

Die Auswirkungen chinesischer Exportbeschränkungen auf Antimon

Neben Gallium und Germanium verbot China im Jahr 2024 auch den Export antimonhaltiger Produkte in die USA.
China deckt etwa die Hälfte der weltweiten Antimonproduktion ab – ein Metall, das in der Rüstungsindustrie, insbesondere bei der Herstellung von Munition und Nuklearwaffen, eine zentrale Rolle spielt.

Germanium

 

Früher galt die Förderung von Antimon als unrentabel, doch bis November 2024 erreichte der Rotterdamer Antimonpreis rund 39.000 US-Dollar pro Tonne – mehr als das Dreifache des Preises zu Jahresbeginn.
Daraufhin kündigte das kanadische Unternehmen Spearmint Resources an, den Antimonabbau in New Brunswickwieder aufzunehmen. Dies signalisiert ein weltweites Interesse an der Erkundung und Entwicklung neuer Antimonvorkommen, da das Metall zunehmend strategische Bedeutung gewinnt.

Die Rolle seltener Erden und kleinerer Metalle in der globalen grünen Wirtschaft

Der weltweite Übergang zu einer „grünen“ Wirtschaft ist einer der Haupttreiber für den Preisanstieg vieler seltener Erden und sogenannter Minor Metals.
Da Länder ihre CO₂-Emissionen senken und auf erneuerbare Energien umstellen wollen, steigt der Bedarf an Metallen, die für die Herstellung von Solarzellen, Windturbinen und Batterien notwendig sind, rapide an.

Auch der rasche Ausbau der Elektromobilität erfordert große Mengen an Lithium, Kobalt, Nickel und anderen Seltenerdelementen für Batterien und Elektromotoren.
Die begrenzte Verfügbarkeit dieser Rohstoffe – meist konzentriert in nur wenigen Ländern wie China – sowie die hohen Kosten einer umweltgerechten Förderung treiben die Preise zusätzlich nach oben.
Darüber hinaus hat die strategische Bedeutung dieser Metalle für Zukunftstechnologien zu spekulativen Marktentwicklungen geführt.
Das Ergebnis: Die Preise für seltene und spezielle Metalle, die für die grüne Transformation zentral sind, sind weltweit stark gestiegen.

Nischenmärkte und Preisbildung seltener Rohstoffe

Neben den an Börsen gehandelten Metallen gibt es extrem seltene Mineralien, deren Preisbildung schwierig ist. Das liegt an seltenen Transaktioneneinzigartigen Eigenschaften und dem Fehlen eines standardisierten Marktes.

Ein herausragendes Beispiel ist Osmium, insbesondere das Isotop Osmium-187 – eines der seltensten und außergewöhnlichsten Materialien auf dem globalen Metallmarkt.
Kasachstan gilt als Hauptexporteur von Osmium-187, was dessen extreme Knappheit erklärt.

Da Osmium-187 aufgrund seiner Seltenheit und speziellen Gewinnungsanforderungen nicht an Börsen gehandeltwird, orientiert sich der Marktpreis an

  • Laborbewertungen (Qualität, Reinheit, Einzigartigkeit) und
  • Daten vergangener Transaktionen.

Diese individuelle Preisstruktur unterstreicht die strategische Bedeutung von Osmium-187 für Hochtechnologie- und wissenschaftliche Anwendungen, in denen das Element unersetzlich bleibt.

Antimony

Metall prices 2025

Die Metallpreisdatenbank des ISE

Seit über zehn Jahren unterhält das Institute for Rare Earth Elements and Metals AG (ISE) eine eigene Metallpreisdatenbank, die mehr als 19.500 Einträge umfasst.
Diese Datenbank basiert auf vielfältigen Quellen, darunter auch Insiderinformationen zu nicht börsengehandelten Metallen.

Zu den Nutzern des Überwachungssystems zählen Privatkundengroße Hersteller elektrischer Ausrüstungeninternationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaftenstaatliche Institutionen sowie weltweit führende Forschungseinrichtungen.
Der Zugriff auf das System erfolgt über die Website der ISE AG im Rahmen eines Jahresabonnements, das eine 24-stündige Testphase beinhaltet.
Die Daten werden täglich aktualisiert und können im CSV-Format exportiert werden.

Die Überwachung der Metallpreise hilft, Schlüsseltrends des technologischen Fortschritts zu erkennen und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zu verstehen. Sie ermöglicht es, wirtschaftliche Veränderungen frühzeitig abzuschätzen – ein unverzichtbares Instrument für Unternehmen, politische Entscheidungsträger und Forscher gleichermaßen.

Über das Institute for Rare Earth Elements and Metals AG (ISE AG)

Die ISE AG, gegründet 2008, ist ein führendes Unternehmen auf dem Gebiet der hochpräzisen metallurgischen Analysen und der Lagerung von Metallen.
Der Hauptsitz befindet sich in der Schweiz, daneben unterhält das Unternehmen Büros in sechs Ländern und beschäftigt weltweit rund 80 Mitarbeiter.

Der Fokus der ISE AG liegt auf der Analyse von EdelmetallenSeltenerdmetallen und hochreinen Industrieprodukten.
Das Unternehmen betreibt moderne Hochsicherheitslager mit einer Gesamtfläche von über 8.000 m² in der Schweiz, die durch strenge Prüf- und Dokumentationsverfahren die Materialintegrität gewährleisten.

In den firmeneigenen Laboratorien kommen modernste Analysetechnologien wie

  • GD-MS (Glow Discharge Mass Spectrometry),
  • ICP-MS (Inductively Coupled Plasma Mass Spectrometry) und
  • XRF (Röntgenfluoreszenzanalyse)
    zum Einsatz. Diese Analysen erfolgen gemäß ISO-Normen.

Darüber hinaus bietet die ISE AG Bewertungs- und Auditdienste für Metalle an, die sich an den IFRS-13-Standardsorientieren.
Kunden erhalten Online-Zugang zu Echtzeitpreisen von über 19.500 Metallen und deren Produkten, was eine fundierte Entscheidungsfindung in einem dynamischen Marktumfeld ermöglicht.

Die ISE AG engagiert sich zudem aktiv in der Forschung, insbesondere im Bereich des Metallrecyclings, und arbeitet dabei mit internationalen Universitäten zusammen, um nachhaltige Verfahren zur Rückgewinnung kritischer Seltenerdmetalle und Minor Metals zu entwickeln.

Mit der Verbindung aus modernster Technologiehöchster Qualitätsstandards und einem klaren Bekenntnis zu nachhaltigem Ressourcenumgang gilt die ISE AG als verlässlicher Partner der metallurgischen Industrie.

 

 

 

 

Rare Earths: EU Relies on Unprofitable Mines

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KIIRUNAVAARA (NORTH SAMIC: GIRONVÁRRI, MEÄNKIELI: KIERUNAVAARA) IS A MOUNTAIN IN THE MUNICIPALITY OF KIRUNA IN THE DISTRICT OF NORRBOTTEN, SWEDEN. IT CONTAINS ONE OF THE LARGEST AND RICHEST IRON ORE DEPOSITS IN THE WORLD.

In its haste to become independent from China for critical raw materials, the EU has agreed on a Raw Materials Act in record time.

The goal is to secure access to these coveted resources through partnerships with third countries, a stronger circular economy, and increased domestic extraction of critical raw materials within the EU. By 2030, domestic mining is expected to expand significantly, covering at least ten percent of the EU’s demand. According to Jan Moström, CEO of the state-owned Swedish iron ore company LKAB, the EU regulation could be a “game changer.” In 2023, LKAB made headlines when it revealed the discovery of rare earth deposits in Kiruna, Sweden.

Rare Earths as an Example

The case of rare earth elements (REEs)—a group of 17 elements on the periodic table that are critical for green technologies as well as military applications—illustrates how difficult it is for the EU to break China’s dominance in this field, even with targeted legislation. It also raises the question of whether the EU’s Raw Materials Act is truly the right strategy.

According to Eurostat, in 2022 the EU imported 18,000 tonnes of rare earths:

  • 40% came from China,
  • 31% from Malaysia, and
  • 25% from Russia.
    The U.S. and Japan each supplied about 2%.

The EU’s dependency is even more striking when it comes to permanent magnets, where 83% of imports come from China. In 2023, the EU imported around 25,000 tonnes of permanent magnets from China.

Small EU Deposits

According to Investing News Network, global rare earth production in 2022 totaled 300,000 tonnes, with China accounting for 210,000 tonnes. The United States ranks second, producing 43,000 tonnes from its reopened Mountain Pass Mine in California (operational since 2018). Australia is third with 18,000 tonnes, although its production dropped by a quarter compared to the previous year.

Another key player in global REE supply is Myanmar, a country torn by civil war. Although data are scarce, it is well established that Myanmar is a crucial supplier—particularly of heavy rare earths—to China. Other producers include Thailand, Vietnam, India, Russia, Madagascar, and Brazil. Brazil is said to hold the third-largest reserves in the world, at about 21 million tonnes.

In comparison, the Per Geijer deposit in Kiruna, Sweden, seems minuscule. With an estimated 1.3 million tonnes, LKAB nevertheless promotes Per Geijer as Europe’s largest rare earth deposit. However, experts such as Alastair Neillfrom the Critical Minerals Institute / ISE AG believe mining there is unrealistic, given the currently known rare earth content of only 0.18%.

“At such a low grade, only lateritic clays are worth mining. Any other mineralization is uneconomical,” Neill explained.

Moström emphasized in January that further exploration of the deposit is required—a process that will take years. Nevertheless, LKAB claims that Per Geijer could meet a significant portion of the EU’s demand for rare earths needed to produce permanent magnets for electric vehicles and wind turbines.

LKAB Seeks Faster Permits

Despite the currently unpromising economics of rare earth mining, LKAB’s CEO Moström suggested applying for strategic project status under the new EU law.

“If it’s classified as a strategic project, the process will move much faster,” Moström told Mining.com.

According to LKAB, mining rare earths under current Swedish permitting rules would take 10 to 15 years, meaning production could not begin before 2033 at the earliest.

The new EU regulation allows companies to apply for “strategic project” designation. A special EU panel—composed of representatives from the European Commission and member states—will select these strategic projects. Once approved, they will benefit from faster permitting procedures and easier access to financing.

On the ground in Kiruna, however, the Sámi—Europe’s only recognized Indigenous people—have voiced strong opposition to LKAB’s plans. Sámi reindeer herders have struggled for over a century with the environmental and cultural impacts of iron ore mining, which threatens their traditional way of life.

They suspect that LKAB’s true aim is to expand iron ore extraction, using rare earths as a political and regulatory argument to accelerate permits. LKAB does not deny that iron ore remains its primary focus, with rare earths expected only as a by-product.
By emphasizing iron ore, the company says it avoids exposure to the volatile global rare earth market, which suffers from unstable prices.

China Snatches Rare Earths Away from the EU

To strengthen its entry into the rare earth business, LKAB acquired a majority stake in Norwegian company REEtec in November 2022. The startup claims its separation technology produces up to 90% less CO₂ and is significantly more environmentally friendly than conventional processing methods.

REEtec—partly backed by the U.S. government through Techmet-Mercuria—currently operates a pilot plant in Herøya, southern Norway.

Within the EU’s Horizon 2020 research funding program, REEtec developed a process to extract and refine rare earths from apatite ores supplied by the Norwegian fertilizer company Yara. Between 2018 and 2022, REEtec received €2.8 million in EU funding, while Yara received €3.5 million.

In the second half of 2024, REEtec plans to launch its first industrial-scale facility, but without Yara’s apatite ores. An alternative supplier was to be Vital Metals of Australia—however, that option has also collapsed. The company, facing financial troubles, halted its operations in Canada in April 2025.

In mid-December, it was announced that Shenghe Resources from China had acquired a 9.99% stake in Vital Metals and purchased all rare earths produced to date.

As a result, REEtec now appears to be without a supplier, and the West’s effort to free itself from Chinese dominance in the rare earth sector has suffered yet another major setback.

 
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Poor Prospects for Norra Kärr

In Sweden, there is another rare earth deposit called Norra Kärr, whose quality is considered higher than that of Kiruna. However, the challenge here lies in the mineral composition: the rare earth elements are embedded in eudialyte, a mineral from which rare earths have never been commercially extracted.

Nevertheless, Eric Krafft, CEO of Leading Edge Materials, the Canadian company that holds the concession for Norra Kärr, announced his intention to apply for EU strategic project status for the venture.

If, one day, rare earths are actually mined within the EU, another question arises: Who will buy them?
At present, no permanent magnets are produced in the EU. The result is paradoxical — China would likely become the main customer for EU-mined rare earths, since it is not only the largest producer but also the largest consumer of rare earths in the world.

Neo Performance Materials: First EU Magnet Production

There is, however, some hope in Neo Performance Materials, a Canadian company currently building a permanent magnet production plant in Narva, Estonia. The groundbreaking ceremony took place in summer 2023, and production is scheduled to start in 2025 with an annual capacity of 2,000 tonnes, later increasing to 5,000 tonnes per year — enough for around 4.5 million electric vehicles.

With Neo’s project, the EU could reduce its heavy dependence on China for permanent magnets by about 25%.

Neo Performance Materials already operates a rare earth separation facility in a former Soviet-era plant in Sillamäe, Estonia, processing material that comes, among other sources, from the United States. The company also plans to produce magnets from recycled materials, including used magnets and industrial scrap, aiming to establish Europe’s first “mine-to-magnets” supply chain.

Seltene Erden: EU setzt auf unwirtschaftliche Minen

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Der Kiirunavaara (Nordsamisch: Gironvárri, Meänkieli: Kierunavaara) ist ein Berg in der Gemeinde Kiruna im Bezirk Norrbotten, Schweden. Er enthält eine der größten und reichsten Eisenerzlagerstätten der Welt.

 

In ihrer Eile sich bei kritischen Rohstoffen von China unabhängig zu machen, hat sich die EU in Rekordzeit auf eine Rohstoffverordnung geeinigt. Die Sicherung der begehrten Materialien soll durch Rohstoffpartnerschaften mit Drittländern, mehr Kreislaufwirtschaft und der eigenen Gewinnung  kritischer Rohstoffe innerhalb der EU gelingen. Heimischer Bergbau soll demnach bis 2030 in der EU hochgefahren und bis dahin mindestens zehn Prozent des Bedarfs decken. Laut Jan Moström, Chef des staatlichen schwedischen Eisenerzunternehmens LKAB, könnte die EU-Verordnung ein „Gamechanger“ sein. Moströms LKAB sorgte 2023 für viele Schlagzeilen  wegen seinem bekannt gewordenen Vorkommen Seltener Erden in Kiruna.

Das Beispiel Seltene Erden, einer Gruppe von 17 Elementen des Periodensystems, die kritisch für grüne Technologien, aber auch für Militäranwendungen sind, zeigt wie schwer es für die EU ist, trotz spezifischer Gesetzgebung Chinas Dominanz bei Seltenen Erden zu durchbrechen, stellt aber auch die Frage in den Raum, ob die EU mit dem Rohstoffgesetz auf die richtige Strategie setzt. 2022 importierte die EU laut Eurostat 18.000 Tonnen an Seltenen Erden, 40 Prozent kamen dabei aus China, 31 Prozent aus Malaysien und 25 Prozent aus Russland. Die USA und Japan versorgten die EU mit jeweils zwei Prozent. Extrem hoch ist die Abhängigkeit der EU hingegen bei Permanentmagneten, die bei 83 Prozent liegt. 2023 hat die EU etwa 25.000 Tonnen aus China importiert.

Kleine EU-Vorkommen 

2022 betrug laut Investing News Network die weltweite Produktion an Seltenen Erden 300.000 Tonnen, wovon 210.000 Tonnen auf das Konto Chinas gehen. Auf Platz zwei folgen die USA, die seit der Wiederöffnung der Mountain Pass-Mine 2018 in Kalifornien 43.000 Tonnen Seltene Erden förderten. Drittwichtigster Produzent ist Australien mit 18.000 Tonnen, wo die Produktion im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel zurückfiel. Ein weiterer wichtiger Player für die Versorgung mit Seltenen Erden ist das Bürgerkriegsland Myanmar. Obwohl es kaum Daten gibt, gilt als gesichert, dass Myanmar für China eine wichtige Quelle vor allem für die schweren Seltenen Erden ist. Weitere Abbauländer sind Thailand, Vietnam, Indien, Russland, Madagaskar und Brasilien. Brasilien soll mit 21 Millionen Tonnen auf den drittgrößten Reserven der Welt sitzen.

Angesichts dieser Größenordnungen erscheint das Per-Geijer-Vorkommen im schwedischen Kiruna zwergenhaft. Mit geschätzten 1,3 Millionen Tonnen  bewirbt LKAB Per Geijer dennoch pompös als größtes Vorkommen von Seltenen Erden Europas. Experten wie Alastair Neill vom Critical Minerals Institute / ISE AG halten den Abbau von Seltenen Erden dort allerdings aufgrund des aktuell bekannten Seltenerdgehalts von 0,18 Prozent für unrealistisch. „Bei einem so niedrigen Gehalt lohnt sich einzig der Abbau von Laterittonen. Jede andere Mineralisierung ist unwirtschaftlich“, so der Experte. Moström betonte im Januar, dass es weiterer Erkundungen des Vorkommens bedarf, die noch Jahre dauern würden. Gleichzeitig gibt LKAB bekannt, dass Per Geijer einen großen Teil des EU-Bedarfs decken würde, der für die Herstellung von Permanentmagneten für E-Autos und Windturbinen nötig ist.

LKAB will schnellere Genehmigungen

Trotz der aus heutiger Sicht unwirtschaftlichen Aussichten Seltene Erden zu fördern, deutete LKAB-CEO Moström an, sich mit Per Geijer als strategischem Projekt bei der EU zu bewerben. „Wenn es für ein strategisches Projekt erachtet wird, dann wird es deutlich schneller gehen,“ zitiert Mining.com Moström. Bis die Seltenen Erden abgebaut werden könnten, würde es laut LKAB wegen der langwierigen Genehmigungsverfahren in Schweden aktuell zwischen zehn und 15 Jahren dauern, also frühestens 2033. Das neue EU-Gesetz ermöglicht es Unternehmen mit Abbauvorhaben sich als so genannte strategische Projekte zu bewerben. Ein EU-Gremium, das aus Vertretern der EU-Kommission und der Mitgliedsstaaten zusammengesetzt werden soll, wählt die für die EU strategischen Projekte aus, die dann schnellere Genehmigungsverfahren durchlaufen und leichter an Finanzierung kommen sollen.

Vor Ort in Kiruna äußern sich auch die Sámi, Europas einzige anerkannten Indigene, kritisch zu LKABs Plänen, Seltene Erden in Kiruna abzubauen. Sámi-Rentierzüchter aus der Umgebung leiden seit Beginn des Eisenerzabbaus vor über 100 Jahren unter den Bergbauaktivitäten, die ihre traditionelle Lebensweise bedrohen. Sie vermuten, dass es LKAB in Wirklichkeit um die Ausweitung des Eisenerzabbaus gehe, der sich schneller vorantreiben lasse mit dem Argument, dass auch die kritischen Seltene Erden abgebaut werden. Dass LKAB vorrangig Eisenerz abbauen will und die Seltenen Erden nur als Beiprodukt anfallen würden, daraus macht das Unternehmen auch kein Geheimnis. Durch den Fokus auf Eisenerzabbau setze man sich nicht den volatilen Weltmarktpreisen aus, unter denen Seltene Erden leiden, so das Unternehmen.

China schnappt EU Seltene Erden weg

Um seinen Einstieg ins Geschäft mit Seltenen Erden Nachdruck zu verleihen, erwarb LKAB im November 2022 die Mehrheit am norwegischen Unternehmen REEtec. Das Startup verspricht eine Technologie, die bis zu 90 Prozent weniger CO2 ausstößt und deutlich umweltfreundlicher sein soll als herkömmliche Separationsanlagen. Aktuell betreibt REEtec, an dem über Techmet-Mercuria auch die US-Regierung beteiligt ist, eine Pilotanlage in Herøya, südlich von Oslo.

Im Rahmen des EU-Forschungsförderungsprogramms Horizon 2020 entwickelte REEtec eine Methode, um aus Apatiterzen, die der norwegische Düngemittelkonzern Yara lieferte, Seltene Erden zu gewinnen und zu veredeln. REEtec erhielt dafür zwischen 2018 bis 2022 2,8 Millionen Euro von der EU, Yara wurde mit 3,5 Millionen Euro gefördert.

Im zweiten Halbjahr 2024 will REEtec mit der ersten industriellen Anlage in Betrieb gehen, allerdings ohne Yaras Apatiterze. Alternativer Lieferant für Seltenerdkonzentrate sollte das australische Unternehmen Vital Metals sein, fällt nun allerdings auch weg. Das australische Unternehmen leidet unter finanziellen Schwierigkeiten und musste seinen Betrieb in Kanada im April diesen Jahres einstellen. Mitte Dezember wird bekannt, dass Shenghe Resources aus China einen Anteil von 9,99 Prozent an Vital Metals erworben hat und sämtliche bis dahin produzierte Seltene Erden aufkauft. REEtec steht nun scheinbar ohne Lieferanten da und das Bestreben des Westens, sich von China unabhängig zu machen, hat erneut einen herben Rückschlag erlitten.

 
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Schlechte Aussichten für Norra Kärr 

In Schweden gibt es mit Norra Kärr noch ein weiteres Vorkommen an Seltenen Erden, dessen Qualität besser als in Kiruna ist. Doch der Haken hier ist das Mineral: die Seltenen Erden sind in so genanntem Eudialyt eingebettet, aus dem bislang noch keine Seltenen Erden in kommerziellem Stil abgebaut wurden. Dennoch kündigte Eric Krafft, Geschäftsführer von Leading Edge Materials, an, dem kanadischen Unternehmen, das die Konzession an Norra Kärr hält, sein Vorhaben als strategisches Projekt bei der EU zu bewerben.

Sollten eines Tages tatsächlich Seltene Erden in der EU gefördert werden, stellt sich dann noch die Frage, wer diese abnimmt. Permanentmagneten werden in der EU aktuell nicht hergestellt. Die Folge: China wird der wichtigste Abnehmer von Seltenen Erden „Made in EU“ sein. Denn China ist nicht nur der größte Produzent von Seltenen Erden, sondern auch deren größte Verbraucher.

Neo Performance Materials: Erste EU-Magnetherstellung

Hoffnung macht indes Neo Performance Materials. Das kanadische Unternehmen ist dabei eine Permanentmagnetenproduktion im estnischen Narwa aufzubauen. Spatenstich für das Werk war Sommer 2023. 2025 soll die Produktion mit jährlich 2.000 Tonnen beginnen und später eine Kapazität von 5.000 Tonnen jährlich erreichen. Das würde für bis zu 4,5 Millionen E-Autos reichen. Mit Neo könnte die EU die sehr ausgeprägte Abhängigkeit von China bei Permanentmagneten immerhin um rund ein Viertel reduzieren.

Neo Performance Materials betreibt bereits eine Separationsanlage von Seltenen Erden in einer ehemaligen sowjetischen Anlage in Sillamäe in Estland. Das Material dafür kommt unter anderem aus den USA. Neo plant jedoch die Herstellung von Permanentmagneten aus recycelten Altmagneten und Produktionsspänen und will so Europas erste Mine-to-Magnets-Lieferkette etablieren.